Worin liegt das Wesen der Überraschung?
Dem menschlichen Handeln liegen vielfältige Erwartungen über die Beschaffenheit von Objekten, Situationen und Ereignissen zugrunde, deren Verletzung überrascht. Jüngste experimentelle Untersuchungen geben einen tieferen Einblick in Sinn und Folgen dieser Reaktion.
von Gerhard Trageser
Ein Gefühl, das man im Experiment sowohl völlig bedenkenlos als auch sehr zuverlässig evozieren kann, ist die Überraschung. Mit ihr befaßt sich deshalb seit geraumer Zeit die Arbeitsgruppe um Wulf-Uwe Meyer, der in der Abteilung Psychologie der Universität Bielefeld den Lehrstuhl für Allgemeine Experimentelle Psychologie innehat. Die Forscher lassen sich dabei von der Grundannahme leiten, daß es sich bei der Überraschungsreaktion um einen Mechanismus handelt, der das menschliche Verhalten immer wieder so adjustiert, daß es weitgehend situationsgerecht bleibt.
Unser Wissen über die Welt ist in sogenannten Schemata organisiert: Theorien über die Beschaffenheit von Ereignissen, Objekten und Situationen. Sie leiten das alltägliche Handeln und werden fortlaufend daraufhin überprüft, ob sie dem Vorgefundenen in angemessener Weise Rechnung tragen. Das ist – ebenso wie die schemageleitete Handlungssteuerung – in aller Regel ein automatisch ablaufender Prozeß.
Solange Situationen und Ereignisse mit einem Schema kompatibel sind, besteht kein Anlaß, es zu revidieren. Wenn jedoch eine Diskrepanz auftritt, die einen gewissen Schwellenwert überschreitet, kommt es


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