Dr. Christoph Pöppe
Spektrum-Interview zum
Programm Mathematica, Version 4, mit Jon McLoone von Wolfram Research.
Spektrum der Wissenschaft: Wenn ich im Handbuch blättere, scheint mir Mathematica eine eierlegende Wollmilchsau zu sein. Kann das Programm wirklich alles, und das auch noch gut?
Jon McLoone: Zweimal Ja. Die meisten Softwarepakete entstehen als sehr spezielle Lösungen für einen engen Problembereich, werden immer mehr erweitert, haben aber kein einheitliches, alle Anwendungen übergreifendes Konzept. Bei Mathematica sind wir den umgekehrten Weg gegangen: Wir haben das Grundkonzept mit der größtmöglichen Breite angelegt und dabei zunächst in Kauf genommen, daß die Leistung für ein gegebenes Problem hinter der des jeweils besten Spezialprodukts zurückblieb. Seit Version 2.0 sind wir aber in Computeralgebra auf dem Stand der Technik, seit Version 3.0 läßt sich die Fähigkeit zur wissenschaftlichen Dokumentation mit Scientific Word oder LATeX vergleichen. Die neue Version 4.0 bietet klassische Gleitkomma-Numerik wie gängige Zahlenfresser-Programme.
Spektrum: Wer nutzt denn dieses Universalwerkzeug?
McLoone: Unsere größten Kundengruppen sind Wissenschaftler in Forschung und Lehre, Ingenieure und die Beschäftigten der Finanzwelt, in dieser Reihenfolge. Mit Hilfe von Mathematica lassen sich aber auch sehr bequem algorithmisch definierte Bilder ohne große wissenschaftliche Bedeutung erzeugen; deshalb nutzen auch moderne Künstler Mathematica. Übrigens legt das amerikanische Patentamt seit einiger Zeit seine sämtlichen technischen Dokumente als Mathematica-Notebooks ab. Dadurch kann man die Datenbank nach Stichwörtern durchsuchen und Formeln direkt aus den Patentschriften übernehmen und nachrechnen.
Spektrum: Klingt nach einem Massenprodukt?
McLoone: Nach unserer letzten Schätzung vor einem Jahr gibt es ungefähr eine Milli