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DenkMal |

Welches Weichtier ist für Menschen potenziell tödlich?

a) Blauring-Oktopus
b) Posthornschnecke
c) Venusmuschel
d) Kegelschnecke
 

Antwort:

Alle dieser Weichtiere können Menschen einen tödlichen Schaden zufügen.
 

Erklärung:

Er sieht niedlich aus, ist hübsch - und tödlich giftig: Der Blauring-Oktopus (Hapalochlaena lunulata) wurde schon so manchem Taucher zum Verhängnis, der sich von der Attraktivität des Tiers blenden ließ und entweder nichts über seine potenziell letale Wirkung wusste oder sie gar ignorierte. Denn die kaum zehn Zentimeter langen Miniaturkraken leben in Symbiose mit bestimmten Bakterien, die in den Speicheldrüsen der Weichtiere hausen und dort hoch wirksame so genannte Maculotoxine produzieren.

Eigentlich erlegen die Kraken mit diesen Giften ihre Beute, doch trifft es gelegentlich auch unvorsichtige Badegäste an den Stränden Australiens oder Neuguineas, die den Tintenfisch fangen wollen. Der Biss des Oktopus ist schmerzhaft, hinterlässt aber zumeist nur kleine Spuren oder Abschürfungen. Innerhalb weniger Minuten beginnt allerdings das abgesonderte Nervengift die Impulsübertragung an den Synapsen der Nervenenden zu hemmen und schließlich zu blockieren - allerdings nur der willkürlichen Muskulatur. Der Betroffene wird gelähmt, bleibt jedoch vorerst bei Bewusstsein; Herz, Iris und Darmwand arbeiten weiter. Mit der Zeit setzt schließlich die Atmung aus, und ohne Sauerstoffzufuhr durch Mund-zu-Mund- oder künstliche Beatmung erstickt das Opfer. Ein Gegengift gibt es bislang nicht.

Benachbart im Korallenriff hausen die Kegelschnecken der Gattung Conus, die ebenfalls durch ein hübsches Äußeres glänzen und damit ihre Giftigkeit vergessen machen. Sie produzieren ihre Abwehr- und Jagdmittel selbst in Form von Eiweißcocktails aus mehreren hundert Polypeptiden, die - einmal in den Körperkreislauf injiziert - die Rezeptoren für Neurotransmitter an den Synapsen der Nervenzellen oder aber deren Ionenkanäle blockieren. Die Wirkung der so genannten Conotoxine ähnelt jenen des Blauring-Oktopus, nur wirken sie meist schneller: Die Art Conus geographus ist auch als Zigaretten-Schnecke bekannt, da dem Opfer angeblich nur eine Zigarettenlänge bleibt, bis das Gift seine volle Wirkung entfaltet.

Allerdings schadet das Conotoxin dem Menschen nicht nur - was ohnehin nur in seltenen Einzelfällen vorkommt, denn bislang sind insgesamt nur etwa dreißig Todesfälle weltweit bekannt. Vielmehr lassen sich aus dessen Ingredenzien wirksame Schmerzmittel herstellen, die tausendmal so stark sind wie Morphine, aber im Gegensatz zu diesen nicht süchtig machen. Einzelne Bausteine befinden sich außerdem in der klinischen Testphase und sollen dereinst als Medikament bei der Alzheimer'schen Demenz, der Parkinson-Krankheit oder Epilepsie zum Einsatz kommen.

Im Gegensatz zu diesen eher aktiven Mollusken gefährden Venusmuscheln (wie andere Meeresfrüchte-Schalentiere auch) den Genießer bisweilen passiv - wenn sie als Filtrierer zu viele Phycotoxine aus dem Wasser aufnehmen. Diese Giftstoffe bilden sich vor allem bei Algenblüten: den so genannten roten Tiden, die meist bei einer Massenvermehrung von Dinoflagellaten entstehen. Ihr Ausscheidungsprodukt reichert sich in den Muscheln an und tötet diese bisweilen. Werden sie vor dem eigenen Ableben geerntet oder erreichen die Konzentrationen nicht die letale Dosis und landen sie auf dem Essteller, können sie dem "Genießer" größere Unannehmlichkeiten bereiten. Von leichten Magen-Darm-Problemen mit Durchfall und Erbrechen über leichte neurologische Erscheinungen wie beginnende Lähmungen, Bewusstseinsstörungen und Gedächtnisverlust bis hin zu tödlicher Atemlähmung können die Konsequenzen lauten.

Einen ersten Hinweis auf diese Algenblüten gibt es in der Bibel. Womöglich waren sie der erste Fluch, den Gott durch Moses über das Volk der Pharaonen brachte, damit diese endlich die Israeliten ziehen lassen: "Und alles Wasser im Strom wurde in Blut verwandelt. Und die Fische im Strom starben, und der Strom wurde stinkend, sodass die Ägypter das Wasser aus dem Nil nicht trinken konnten; und es war Blut in ganz Ägyptenland...", heißt es im 2. Buch Mose, Kapitel 7 ab Vers 14.

Gefährliche Weichtiere lauern auch im Süßwasser, wie das Beispiel tropischer Posthornschnecken zeigt. Sie bilden ein wichtiges Glied in der Ausbreitungskette bestimmter Pärchenegel der Gattung Schistosoma, die die Schistosomiasis, besser bekannt als Bilharziose, verantworten. Ihr Lebenszyklus beginnt mittels Harn oder Stuhl ins Wasser gelangter Eier. Die daraus schlüpfenden Larven parasitieren die Mollusken und entwickeln sich in diesen zu so genannten Zerkarien fort - einem weiteren Larvenstadium. Ist dieses erreicht, verlassen sie die Schnecke ebenfalls über deren Ausscheidungsprodukte und suchen sich ihren Endwirt. Berühren sie beispielsweise badende oder fischende Menschen, bohren sie sich durch die Haut, um in die Blutbahn zu gelangen.

Unter starkem Längenwachstum wandelt sich die Larve dort zu einem jungen aber noch nicht geschlechtsreifen Wurm - dem Schistosomulum, das sich in der Lunge aufhält. Mit Beginn der Geschlechtsreife wandert er zur Pfortader, wo sich das Männchen verpaart, indem es ein Weibchen in seine Bauchfalte aufnimmt: eine lebenslange Bindung, der den Egeln ihren Namen beschert hat. Ab diesem Zeitpunkt hausen sie im Venensystem ihres Wirts und schmarotzen dort am Blut, ohne größeren Schaden anzurichten. Ganz im Gegensatz dazu verhält es sich mit den produzierten Eiern, die nur teilweise in Harnblase und Darm gelangen und dann den Kreis schließen. Etwa die Hälfte des Geleges wird aber mit dem Blut in andere Organe wie Niere, Leber oder Hirn geschwemmt und löst dort schwere Immunreaktionen hervor, die ohne Behandlung ebenfalls zum Tod führen können.

Selbst in Europa leben im Süßwasser einige Pärchenegelarten, die jedoch harmloser sind und bei Exposition nur einen starken Juckreiz, die Badedermatitis, auslösen: Der Mensch ist hier der Fehlwirt, die Larven sterben im Hautgewebe bereits ab. Gegen alle diese Egel-Infektionen kann man heute mit Medikamenten vorgehen.
 
Daniel Lingenhöhl
 

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