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Warum knurrt dem Hungrigen der Magen?

a) schuld sind arbeitslose Verdauungsenzyme
b) ein leerer Magen hallt besser
c) schuld sind Muskelkontraktionen
d) schuld ist das Nervensystem
e) schuld sind Gase in den Eingeweiden
 

Antwort:

Fast alle Antworten sind richtig - nur Verdauungsenzyme haben mit hungerbedingtem Magengrummeln nicht direkt zu tun.
 

Erklärung:

Das Magengrummeln von Hungrigen weckt schon seit der Antike das Interesse der Wissenschaft: Bereits klassisch-griechische Forscher untersuchten das Grollen und bezeichneten es lautmalerisch als Borborygmus. Heute wissen wir, dass das Bauchgrimmen zunehmend vernehmbar wird, wenn auch die Leere von Magen und Dünndarm nach einer längeren Zeit ohne Nahrungsaufnahme zunimmt. Dies führt in der Tat dazu, dass die typischen Geräusche, die mit der stetigen Eingeweidetätigkeit auch andauernd produziert werden, weniger stark gedämpft werden - das Grummeln hallt lauter als im Normalfall.

Die meisten Geräusche sind dabei zunächst einmal direkte Folge der so genannten Peristaltik: Die mehr oder weniger schlauchförmigen Organe von Magen und Darm werden durch eine zentimeterweise über das Organ wandernde, ringförmige Einschnürung in Richtung Dickdarm ausgepresst - also eine Kontraktion von Ringmuskulatur, die allerdings auch dann abläuft, wenn der Verdauungstrakt schon ziemlich leer gepresst ist. Durch die ringförmige Kontraktion werden Nahrungsbrei und dazwischen gefangene Gase vermischt - und genau dabei entstehen blubbernde oder grollende Geräusche. Etwas lauter kann das Ganze durch ein Mehr an Eingeweidegas werden. Es entsteht zum Beispiel dann, wenn der individuell stets leicht unterschiedlich effiziente Verdauungstrakt bestimmte Nahrungsbestandteile nicht vollständig abbauen kann - das können etwa Hülsenfrüchte und Molkereiprodukte sein oder glutenreiche Getreideprodukte.
 
Von Speiseröhre bis Enddarm: Der Verdauungstrakt des Menschen.
© Spektrum Akademischer Verlag
 
Die gerichtete, wellenförmige peristaltische Kontraktion der Eingeweide-Muskulatur muss natürlich gut organisiert ablaufen. Entscheidend ist dafür ein rhythmisch an- und absteigendes elektrisches Potenzial, das für eine ordentlich kontrahierende Choreografie der glatten Muskulatur sorgt. Dieses Potenzial, der "basale elektrische Rhythmus" (BER), entsteht durch eine konzertierte Aktion des gesamten in den Eingeweideoberflächen integrierten Nervensystems. Letztlich sorgt dieser Taktgeber für Kontraktionswellen, die regelmäßig alle drei beziehungsweise zwölf Minuten über Magen- beziehungsweise Darmwand laufen. Ganz ähnlich - wenn auch deutlich hochfrequenter - wird auch die rhythmische Kontraktion des Herzens reguliert.

Hormonelle und nervöse Reize können die Frequenz und Kraft der peristaltischen Kontraktion zusätzlich erhöhen - dies passiert zum Beispiel kurz nach einer Nahrungsaufnahme. Ist der Verdauungstrakt aber rund zwei Stunden lang geleert gewesen, so setzt ein zusätzlicher Mechanismus ein: Rezeptoren in den Magenwänden signalisieren die offenkundige Abwesenheit von Nahrungsbestandteilen und lösen ihrerseits neuronale Aktivität im umliegenden Nervengeflecht aus, die so genannten myoelektrischen Motorkomplexe (MMC, migrating myoelectric complexes).

Diese Signalwellen wandern über Magen und Darm und lösen "Hunger-Kontraktionen" aus, die stets im unteren Magenabschnitt beginnen und sich über den gesamten Dünndarm bis zu dessen Endabschnitt, dem Krummdarm, fortsetzen. Sinn dieser Kontraktionswellen ist es, den Darm von allen verbliebenen Inhalten - Magenschleim, Nahrungsresten und Bakterien - möglichst zu leeren und zu verhindern, dass sich solche Reste an einer Stelle des Verdauungstraktes sammeln und dort Schaden anrichten.

Diese Sanitär-Kontraktionsarbeit geht mit Vibrationen und damit auch gelegentlich gut hörbaren Rumpelgeräuschen einher, die sich leicht mit dem gleichzeitig latent zunehmenden Hungergefühl assozieren lassen. Einmal angelaufen, dauern diese Kontraktionen zwischen zehn und zwanzig Minuten an und werden alle zwei Stunden wiederholt - bis wieder Nahrung aufgenommen wird, die MMCs abklingen - und überhaupt alle in der Leere der Eingeweide hallenden Geräusche durch die Bestandteile eines leckeres Abendessens gedämpft werden.
 
Jan Osterkamp
 

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