Aufstieg und Fall
Seiner Rolle als Hauptstadt entledigt, zerfiel Angkor nun langsam und stetig. Nur wenige Tempel wie der Angkor Wat wurden weiterhin von der Bevölkerung zu zeremoniellen Zwecken aufgesucht – den Rest schluckte der Dschungel und geriet in Vergessenheit. Die politische und wirtschaftliche Erosion der Metropole hing aber wohl nicht nur mit kriegerischen Wirren und dem nachfolgenden Machttransfer zusammen, sondern begann schon vorher aus hydrogeologischen Gründen, wie nun neue Kartierungs- und Ausgrabungsergebnisse vermuten lassen.
Diese Ansicht hatte bereits der französische Archäologe Bernard-Philippe Groslier in den 1950er Jahren geäußert, als er den Begriff der "hydraulischen Stadt" prägte. Ihr Bestehen beruhte auf einem komplexen Wassermanagement, dem sie am Ende nicht mehr gewachsen war und an dessen mangelnder Erhaltung sie letztlich zugrunde ging. Oft wurde diese Ansicht in Frage gestellt und zurückgewiesen, doch fehlten profunde Daten zur Umgebung der zentralen Tempelbezirke und damit zur eigentlichen Metropolregion. Archäologen und Geowissenschaftler um Damian Evans von der Universität Sydney erweiterten jetzt den Stadtplan Angkors mittels scharfer Radaraugen, die selbst längst verschüttete und überprägte Bodenstrukturen aufspüren können.
Sensible Sensoren
Aber waren diese Gebiete noch Stadt oder doch nur ein dörfliches Gebiet mit intensiver Landwirtschaft und entsprechender Infrastruktur? Die Radardaten liefern darüber keine Aussagen, denn dazu ist ihre räumliche Auflösung noch zu gering: Ehemals bewohnte Areale oder kleine Tempelstätten, die sich über die aquatische Umgebung erheben mussten und heute durch eine hügelige Form auffallen, lassen sich damit kaum nachweisen. Diese Kartierungslücke sollten Satellitenbilder schließen, wobei jede der letztlich aufgenommenen Strukturen in mindestens zwei Datensätzen nachgewiesen oder bei Nachforschungen vor Ort entdeckt werden musste.
Metropolregion Angkor
Natürlich war das Gebiet nicht annähernd so dicht besiedelt wie beispielsweise das antike Rom, das mittelalterliche London oder Konstantinopel – zwischen einzelnen Wohnvierteln gab es immer wieder Frei- oder Wasserflächen wie die beiden groß dimensionierten Staubecken Ost- und Westbaray. Die unmittelbare kulturelle wie politische Einflusssphäre der Herrscher Angkors, die dicht gewebte Infrastruktur der Kanäle, Wasserreservoirs und Straßen sowie die große Zahl der neu entdeckten Tempel (bislang 74) sprechen jedoch für einen eindeutigen urbanen Charakter rund um das eigentliche Zentrum. Mehrere hunderttausend Menschen haben hier wohl gelebt.








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