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Geschlechter: Weberknechte haben drei Formen der Männlichkeit

Bei den neuseeländischen Spinnentieren sind Männchen nicht gleich Männchen, vor allem nicht, wenn sie ein Bein verloren haben. Ihre Gene können diese Invaliden dennoch weitergeben.
Neuseeländischer Weberknecht
Ein Weberknecht der Art Forsteropsalis pureora schleppt Beute ab. Das gelingt ihm auch mit weniger als acht Beinen - für seine Männlichkeit hat der Verlust jedoch Folgen.

Weberknechte sehen zwar sehr zerbrechlich aus, sind jedoch erstaunlich robust. So können sie problemlos Beine abwerfen, wenn sie Fressfeinden entkommen müssen – ähnlich wie Eidechsen dies mit ihrem Schwanz tun. Für Männchen der neuseeländischen Art Forsteropsalis pureora hat dies jedoch einen Preis: Sie können die verlorenen Gliedmaße nicht nur nicht nachwachsen lassen, der Mangel sorgt auch dafür, dass sie in der Rangliste ihrer Geschlechtsgenossen zurückfallen. Eine Studie von Erin Powell von der University of Auckland und ihrem Team in »Behavioral Ecology« zeigt, wie es dazu kommt und wie die Tiere damit umgehen: Die lädierten Tiere ziehen in der Folge als Gamma-Männchen durch Höhlen und feuchte Wälder, aber dennoch schaffen sie es immer wieder, sich fortzupflanzen.

Weberknechte gelten prinzipiell als trimorphisch und weisen Alpha-, Beta- und Gamma-Männchen auf. Bei Forsteropsalis pureora entwickeln die ersten beiden Kategorien überdimensionierte Kieferklauen, die sie nicht nur zum Beutemachen, sondern auch im Kampf um Weibchen einsetzen. Sie können bis zur Hälfte des Körpergewichts der Achtbeiner ausmachen. Dagegen bleiben die Gamma-Männchen bis zu siebenmal kleiner und besitzen nur unterentwickelte Kieferklauen, mit denen sie ihren Artgenossen völlig unterlegen wären. Alpha und Beta wiederum unterscheiden sich nicht in ihrer Größe, sondern in der Ausformung ihrer Kieferklauen: Bei den Alpha-Tieren sind sie breit, aber kurz, bei den Beta-Männchen dagegen lang und schmal. Dennoch kämpfen sie mit wechselnden Erfolgen gegeneinander.

Narben am Körper zeigen an, ob ein Weberknecht bereits als Jugendlicher oder als Erwachsener ein Bein verloren hat. Männchen, die während ihrer Entwicklung mindestens ein Bein verloren haben, wuchsen mit 45-fach höherer Wahrscheinlichkeit zu den kleineren, schwächeren Gamma-Männchen heran, so die Studie. »Womöglich können sie durch dieses Handikap nicht genug Nahrung für ihre Entwicklung bekommen, weil sie bei der Jagd behindert sind«, sagt Powell. »Oder es ist für sie sinnlos, in große Waffen zu investieren, wenn sie beim Kampf ohnehin benachteiligt sind.«

Stattdessen könnten diese Tiere andere Ressourcen ausbauen, etwa die Größe ihrer Hoden, die Anzahl der Spermien oder die Leistungsfähigkeit beim Sex, um sicherzustellen, dass sie das Beste aus ihren verringerten Paarungschancen machen. Denn gänzlich ohne Aussichten auf Fortpflanzung sind auch die Gamma-Männchen nicht. Sie suchen heimlich nach unbewachten Weibchen, um sich mit diesen zu vermählen, während die Alphas und Betas um die Vorherrschaft zu raufen.

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