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Dinosaurier: Gut gegessen, Gorgosaurus?

Zum ersten Mal wurde der versteinerte Mageninhalt eines Tyrannosauriers gefunden. Die Fossilien geben Aufschluss darüber, wovon sich das Furcht erregende Raubtier ernährte.
Ein Gorgosaurus libratus bei der Mahlzeit
Der Gorgosaurus libratus ist ein Verwandter des Tyrannosaurus rex und ernährte sich wie dieser von großen und kleinen Beutetieren. (Illustration)

Tyrannosaurier waren die gefürchtetsten Raubtiere ihrer Zeit. Mit ihren riesigen Fangzähnen machten sie Jagd auf andere Dinosaurier, die teils größer als sie selbst waren. Was aber aßen die noch weitaus weniger gefährlichen Jungtiere der Echsenfamilie? Zum ersten Mal hat ein Forschungsteam einen direkten Beweis dafür gefunden, dass sie als Teenager noch deutlich kleinere Tiere erbeuteten als ihre Eltern. In einer Studie, die im Fachmagazin »Science Advances« erschienen ist, beschreiben Forschende des Royal Tyrrell Museum of Paleontology und der University of Calgary in Kanada den versteinerten Mageninhalt eines jungen Gorgosaurus libratus, eines Verwandten des berühmten Tyrannosaurus rex. Die bemerkenswerte Entdeckung gibt Einblicke in die Stellung der Tiere in ihrem Ökosystem und darein, wie sich Tyrannosaurier ernährten. Bislang konnten darüber nur unbewiesene Hypothesen aufgestellt werden.

»Es ist bekannt, dass sich Tyrannosaurier während des Wachstums stark veränderten, von einer eher schlanken Gestalt hin zu bulligen, knochenbrechenden Raubtieren«, sagte Darla Zelenitsky, eine Mitautorin der Studie, laut »Business Insider«. »Und wir wissen, dass diese Veränderung mit dem Fressverhalten zusammenhing.« Es sei nun allerdings das erste Mal, dass ein so gut erhaltener Mageninhalt im Inneren des Skeletts einer großen Tyrannosaurierart gefunden wurde. Bisherige Erkenntnisse gründeten lediglich auf der Schädel- und Zahnstruktur der Tyrannosaurier-Fossilien, Bissspuren auf den Knochen von großen Pflanzenfressern und versteinertem Kot.

Die frei gelegte Mahlzeit offenbarte die Hinterbeine von zwei Exemplaren der Art Citipes elegans – gefiederten, etwa truthahngroßen Dinosauriern mit zahnlosem Schnabel  –, die beide jünger als ein Jahr alt waren, als sie dem Gorgosaurus zum Opfer fielen. Der Räuber müsse seine Beute zerlegt und lediglich die fleischigen Beine verschluckt haben, schreiben die Studienautoren. Den restlichen Körper verschmähte er anscheinend. Die beiden Beinpaare scheinen zu unterschiedlichen Zeitpunkten gefressen worden zu sein, was die Forscher aus dem jeweiligen Stand der Magensäureverätzung schlossen. Ein solcher Fund sei deshalb so ungewöhnlich, weil der Gorgosaurus gestorben und sofort von Schlamm begraben worden sein müsse, noch bevor seine Beute in den Darm gelangt sei.

Beeindruckendes Fossil | Rot markiert ist der versteinerte Mageninhalt des bei seinem Tod noch recht jungen Exemplars eines Gorgosaurus libratus zu sehen.

Der bei seinem Tod etwa 300 Kilogramm schwere und gut sieben Jahre alte Gorgosaurus lebte in der späten Kreidezeit, vor etwa 80 Millionen bis 66 Millionen Jahren. In seiner Jugend war er langbeinig und schlank. Als Erwachsener hätte er sich zu einem massigen Spitzenraubtier entwickelt – fast doppelt so groß wie eine Giraffe und so schwer wie ein Elefant. Das Fossil wurde bereits im Jahr 2009 im Dinosaur Provincial Park in Kanada gefunden.

Die Analyse des Teams um Erstautor François Therrien unterstützt die Vermutung anderer Paläontologen, dass die Tyrannosaurier im Lauf ihres Lebens möglicherweise mehrere ökologische Nischen besetzten und in verschiedenen Entwicklungsstadien unterschiedlich große Beutetiere jagten. Auf dieser Anpassungsfähigkeit gründe wohl der herausragende evolutionäre Erfolg der Spezies, heißt es im Forschungsartikel. Auch bei vielen modernen Reptilien wie Krokodilen und Komodowaranen lasse sich diese Eigenschaft beobachten.

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