Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Diese Personengruppe, die Forschung und Wissenschaft als wesentlichen Impulsgeber unseres gesellschaftlichen Fortschritts und Wohlstands ansieht (Zustimmung: 82,3 Prozent), erachtet die aktuelle Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg als fatal: 72,1 Prozent der Akademiker und Forscher meinen, dass das Ansehen von Forschung und Wissenschaft in der Bevölkerung durch die "Causa Guttenberg" erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde; bei den aktiven Wissenschaftlern ist der Anteil hier am höchsten: 75,6 Prozent. Den Ruf der Wissenschaft vor dem Skandal um die Doktorarbeit des ehemaligen Ministers bewerteten hingegen nur 12,0 Prozent als schlecht (aktive Wissenschaftler: 16,6 Prozent). Auch erkennt nur einer Minderheit von 12,9 Prozent der Befragten in der aktuellen Berichterstattung eine Hetzjagd der Medien.
Überwältigende Mehrheit sieht Vorsatz
Dabei hatten die meisten der teilnehmenden Forscher und Akademiker in der Spektrum-Umfrage den Daumen über zu Guttenberg ohnehin längst gesenkt. 80,7 Prozent meinten vor seiner Rücktrittserklärung vom heutigen Tag, dass er sein Amt niederlegen sollte – 74,2 Prozent forderten von der Kanzlerin, sich von ihm zu trennen. Nur 14,2 Prozent stimmten der Aussage zu, dass die politische Karriere zu Guttenbergs weitergehen dürfe, auch wenn er sich als Wissenschaftler schuldig gemacht habe. Dieses Ergebnis liest sich als ein Echo auf die viel zitierte Aussage von Angela Merkel aus der letzten Woche, sie habe zu Guttenberg ja nicht als wissenschaftlichen Assistenten berufen, sondern als Minister.
Mitschuld der Uni Bayreuth?
Kritisch sehen die Befragten auch die Rolle der Universität Bayreuth. 73,0 Prozent stimmen der Aussage zu, dass die Gutachter der Doktorarbeit eine Mitschuld tragen am jetzigen Skandal. Bei der Frage, wen die Umfrageteilnehmer in der Plagiatsaffäre am kritischsten sehen, kommen die Gutachter auf 38,2 Prozent, die heutige Leitung der Universität Bayreuth liegt deutlich dahinter (13,9 Prozent). 83,5 Prozent sehen Karl-Theodor zu Guttenberg am kritischsten, 47,8 Prozent Angela Merkel. Auch hier waren mehrfache Nennungen möglich.
Wie die große Beteiligung an dem am vergangenen Donnerstag publizierten offenen Brief von (ehemaligen) Doktorandinnen und Doktoranden an die Bundeskanzlerin vermuten lässt, werten auch die Teilnehmer an der Spektrum-Umfrage die in der vergangenen Woche vorgebrachte Entschuldigung des Ministers für sein Fehlverhalten als Faustschlag ins Gesicht aller aktuellen und ehemaligen Doktoranden und Wissenschaftler (79,0 Prozent Zustimmung; aktive Wissenschaftler sogar: 82,7 Prozent).
Betrug in der Wissenschaft nicht typisch
Den Wissenschaftsbetrieb insgesamt sieht diese Klientel nur in Teilen kritisch, was Betrugsfälle angeht. Nur 10,9 Prozent der 2118 von Spektrum befragten Wissenschaftler und Hochschulabsolventen halten Plagiatsfälle wie den jetzt aufgedeckten für typisch für den hiesigen Wissenschaftsbetrieb; die aktiven Forscher stimmen hier sogar nur zu 8,4 Prozent zu. 21,9 Prozent der Akademiker und aktiven Forscher stimmen der Aussage zu, dass Betrugsfälle in den Naturwissenschaften seltener sind als in den Geisteswissenschaften; die Teilgruppe der 620 aktiven Wissenschaftler stimmt hier jedoch mit 27,1 Prozent zu.
55,8 Prozent aller Befragten haben einen akademischen Hintergrund in Naturwissenschaften, Mathematik, Informatik oder Psychologie; 32,6 Prozent in Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Unter den Teilnehmern sind 75,8 Prozent Männer und 22,8 Prozent Frauen (keine Angabe:1,3%).





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1. Ehrlichkeit im Wissenschaftsbetrieb
02.03.2011, Dr. jur. Max Josef WeiglZu meinen Studienzeiten - in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts - war es durchaus üblich, daß die Herren Professoren meiner Fakultät die " schriflichen Ausarbeitungen, Untersuchungen usw. " ihrer Assistenten und HIWIs in ihren wissenschaftlichen Publikationen " verwerteten ", ohne daß jemals diese Hilfen in den veröffentlichten Publikationen auch nur mit Namen, geschweige denn mit dem Umfang ihres Beitrags genannt oder gelistet wurden. Das muß kein Plagiat sein, wenn und soweit diese "Vorarbeiten" nicht wörtlich übernommen werden. Korrekt ist es dennoch nicht; denn der Verfasser einer Publikation nimmt mit der Veröffentlichung in aller Öffentlichkeit für sich in Anspruch, der alleinige Urheber dieser geistigen Leistung zu sein. Das ist aber nicht der Fall.
Ob es heute anders gehandhabt wird, weiß ich nicht. Dazu stehe ich seit vielen Jahren dem Wissenschaftsbetrieb viel zu fern.
Eine solche Praxis färbt ab, leider nicht positiv. Überspitzt gefragt: Besteht denn ein großer Unterschied zwischen einem Plagiat und der Verwertung fremder geistiger Leistungen der " Wasserträger" - außer daß wegen der wörtlichen Übernahme trotz des fehlenden Fundstellennachweises das Plagiat mit heutigen Suchroutinen leicht bewiesen werden kann.
Wenn ich einen Aufsatz lese mit nur einem Autor als Verfasser frage ich mich immer, welcher Umfang der geistigen Leistung der "Wasserträger" verschwiegen wird?
2. Ende dieser Heuchelei und weniger Selbstgefälligkeit
04.03.2011, Wilhelm DyckerhoffEin Professor geht mit seinem neuen Buch an die Öffentlichkeit, obwohl der Inhalt zu 90 Prozent von Hiwis des akademischen Systems zusammengetragen und verfasst worden ist. Es geht hier nicht um die aktuelle Leistung eines Professors, aber die akademische Arroganz mancher Professoren ist schon beeindruckend. Unterscheiden Sie doch bitte endlich zwischen formalen Fehlern und dem Plagiatvorwurf! Plagiat ist ein Ideenklau und nichts anderes. Und dann bekommt diese Arbeit von den Doktorvätern auch noch ein summa cum laude, was absolut selten ist.
Die heftigste Stimme gegen Guttenberg (Prof. Lepsius) war übrigens 2007 bereit Staatsrechtler in Bayreuth und hat mit Sicherheit vor der endgültigen Titelvergabe diese Arbeit einmal gelesen. Warum hat er damals nicht aufgeschrien. Er forscht übrigens in diesem Bereich und beklagt sich auch noch über das Theoriedefizit der Rechtslehre in Deutschland. Alles sehr mysteriös.
Also hören Sie auf, auf Herrn Guttenberg einzuschlagen. Es hat etwas von der typischen deutschen Selbstgefälligkeit. Kritisiert wird, wenn es nicht mehr zu verleugnen ist. Und dann gilt es nur noch in eigener Selbstgerechtigkeit, die betreffende Person klein zu bekommen. Hier wird alle Verhältnismäßigkeit außen vorgelassen. Also lassen Sie die Kirche im Dorf und zeigen Sie der Gesellschaft, dass Ihre intellektuelle Brillanz der Gesellschaft nutzt.
3. Die Guttenberg-Hatz einer Gruppe von Wissenschaftlern
04.03.2011, Gerd Höglinger 83026 RosenheimEs darf doch nicht unbegründet vermutet werden, dass in der älteren und jüngeren Vergangenheit viele Doktorarbeiten mit einem mehr oder weniger großen Anteil von fremdem Geistigem Eigentum "veredelt" wurden. Die damaligen Doktoranden hatten das Glück und ihre Prüfer das Pech, dass es damals noch kein Internet und keine Suchmaschinen gab.
Im Fall einer per Zufallsgenerator stichprobenweise durchgeführten Durchleuchtung alter Dissertationen gäbe es heute bestimmt manch Heulen und Zähneknirschen und Einkassierung alter Doktortitel.
Im Übrigen ist die klare Definition des "schädlichen Plagiats" auch nicht gerade einfach. Es besteht da eine recht diffuse, schwammige Grenze bzw. Übergang von der teilweisen oder ganzen Verwendung fremder geistiger Inhalte jedoch mit eigener Textformulierung bis zum wörtlichen "Abschreiben".